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Hauskauf-Prozess

Checkliste Hauskauf vom ersten Termin bis zur Schlüsselübergabe.

Worum es geht

Strukturiert kaufen statt überrumpelt werden. Unsere 32-Punkte-Checkliste begleitet Sie durch den gesamten Prozess.

Sven ButterlingVon Sven Butterling
Thema
Hauskauf-Prozess
Lesezeit
3 Min
Abschnitte
4

Hauskauf ist der wahrscheinlich teuerste Vertrag Ihres Lebens. Trotzdem unterschreiben viele Menschen nach drei Besichtigungen ein 30-jähriges Commitment. Wir empfehlen einen strukturierten Prozess in vier Phasen — insgesamt 32 Punkte, die Sie nüchtern abhaken sollten, bevor der Notartermin steht.

Phase 1: Vorbereitung & Finanzierung

Bevor Sie das erste Inserat öffnen, sollten Eigenkapital, Bonität und Zielprofil stehen. Wer hier sauber arbeitet, verhandelt später aus einer Position der Stärke.

  • Budget realistisch berechnen — inklusive 10–12 % Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler)
  • Eigenkapitalquote ehrlich prüfen — mindestens 20 % der Gesamtkosten als Faustregel, sonst wird die Anschlussfinanzierung riskant
  • Finanzierungsbestätigung einholen — kein Vorvertrag, sondern eine echte Zusage über die Volldarlehnssumme
  • Monatliche Belastung stresstesten — kalkulieren Sie auch mit 1–2 Prozentpunkten höheren Anschlusszinsen
  • Förderprogramme prüfen — KfW, BAFA, Sächsische Aufbaubank — viele Bauherren übersehen 5-stellige Zuschüsse
  • Suchprofil schärfen — drei Must-haves, drei No-gos schriftlich festhalten
  • Lebensplanung mitdenken — passt das Objekt auch in 10 Jahren noch zu Ihrer Familien- und Berufssituation?
  • Notar & Sachverständigen vorab kontaktieren — wer im Bedarfsfall eingespielte Ansprechpartner hat, gewinnt Tage

Phase 2: Besichtigung & Objektprüfung

Eine Besichtigung reicht nicht. Wir empfehlen mindestens zwei Termine zu unterschiedlichen Tageszeiten — und beim zweiten Termin einen Profi an Ihrer Seite.

  • Tageszeit variieren — morgens, abends, Wochenende. Lärm, Licht und Verkehr ändern sich dramatisch
  • Lage & Infrastruktur bewerten — ÖPNV, Schulen, Ärzte, Einkauf, Naherholung in Gehweite checken
  • Bauunterlagen anfordern — Grundrisse, Energieausweis, Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen (bei WEG)
  • Bauzustand systematisch prüfen — Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Keller (Feuchte!), Elektrik, Wasserleitungen
  • Sanierungsstau quantifizieren — was muss in den nächsten 5 Jahren saniert werden? Realistische Kostenrahmen kalkulieren
  • Energieeffizienz hinterfragen — Energieklasse, Heizungsalter, Dämmstandard. Ab 2024 zwingend bei jedem Eigentümerwechsel
  • Sachverständigen mitnehmen — mindestens beim Zweittermin. Kostet 400–800 €, spart oft fünfstellig
  • Nachbarn ansprechen — direkte Anwohner kennen Lärm, Konflikte und Versteckmängel besser als jedes Exposé

Phase 3: Verhandlung & Vertragsphase

Jetzt geht es um Geld und Bedingungen. Lassen Sie sich nicht in Notartermine drängen, die Sie nicht überblicken — drei Wochen Vorlauf sind Ihr Recht.

  • Vergleichswerte recherchieren — Bodenrichtwerte, Verkaufspreise im Stadtteil (gutachterausschuss.de), Angebotspreise minus 5–8 %
  • Verhandlungsspielraum identifizieren — Sanierungsstau, Standzeit, persönliche Situation des Verkäufers
  • Reservierungsvereinbarung kritisch prüfen — keine Reservierungsgebühren ohne klare Rückzahlungsklausel
  • Kaufvertragsentwurf 14 Tage vor Notartermin lesen — gesetzliche Frist, lassen Sie sich nicht kürzer abspeisen
  • Nebenkostenvereinbarungen prüfen — Nutzungsentschädigung, Übergabezeitpunkt, Lasten- und Nutzenübergang
  • Schuldenfreiheit der Immobilie sichern — Grundbuchauszug aktuell anfordern, Lastenfreistellungsbestätigung der Bank des Verkäufers
  • Sondervereinbarungen schriftlich — übernommene Möbel, Einbauküchen, offene Reparaturen, Mängelbeseitigung
  • Finanzierungszusage final bestätigen — Darlehensvertrag unterschreiben erst nach Notartermin, aber Konditionen schriftlich fixieren

Phase 4: Notartermin, Übergabe & Einzug

Der Notartermin ist kein Selbstläufer. Und auch nach der Beurkundung ist der Hauskauf nicht abgeschlossen — die Schlüsselübergabe folgt erst Wochen später.

  • Notartermin nicht aus Stress vorziehen — nehmen Sie sich Zeit für jede Frage. Der Notar erklärt jeden Paragraphen
  • Identitätsnachweise bereithalten — Personalausweis, Steuer-ID, ggf. Geburtsurkunde bei Namensänderung
  • Auflassungsvormerkung absichern — wird automatisch eingetragen, schützt Sie vor Doppelverkäufen oder Insolvenz des Verkäufers
  • Kaufpreiszahlung erst nach Aufforderung — Notar bestätigt schriftlich, wann Sie zahlen müssen (Fälligkeitsmitteilung)
  • Übergabeprotokoll detailliert führen — Zählerstände, Schlüsselzahl, dokumentierter Zustand aller Räume mit Fotos
  • Versicherungen umstellen — Wohngebäudeversicherung übernehmen oder neu abschließen, Hausrat anpassen, Haftpflicht prüfen
  • Rücklagen anlegen — mindestens 1 % des Kaufpreises p.a. für Instandhaltung, bei WEG: Hausgeld realistisch einplanen
  • Behördengänge erledigen — Ummeldung Einwohnermeldeamt, GEZ, Energieversorger, Telekommunikation, Briefkasten

Hinweis: Unsere Ratgeber-Inhalte verstehen sich als allgemeine Orientierung rund um Immobilienthemen und ersetzen keine steuerliche, rechtliche oder erbrechtliche Beratung. Bitte lassen Sie individuelle Fragen von einem Steuerberater, Rechtsanwalt oder einem anderen fachkundigen Berater prüfen.

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